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The Sound of Silence – Warum Stille heute wichtiger denn je ist

 

 

The Sound of Silence – Von Innen nach Außen

 

In einer Zeit, in der die Ablenkung unserer Aufmerksamkeit belohnt wird, in der Überstimulierung und Lärm zur Gewohnheit geworden sind und Stille vielen Menschen Angst macht, habe ich in den letzten Wochen immer wieder Wege gesucht, mein inneres Heiliges zu finden, die Stille neu in mein Leben einzuladen und zu kultivieren. Und ich bin ehrlich: Es war nicht einfach.

 

Wir werden immer wieder aufgefordert, Bestehendes in Frage zu stellen und Entscheidungen zu treffen, die unsere Werte, unsere Ausrichtung, die innere Balance, unsere Anbindung und das Vertrauen nähren. Ich habe meine Anbindung für etwas Selbstverständliches gehalten. Diese tief verankerte Gewissheit ist immer da, und trotzdem habe ich im Strom der Anforderungen der letzten Monate gemerkt, wie sehr sich mein System – und damit meine ich nicht nur das Nervensystem, sondern mein Ganzes – nach Ruhe gesehnt hat und wie sehr ich mich nach Versenkung und tiefer Verbindung, nach Intimität mit meinem reinen Selbst, gesehnt habe. Mich nach meinem Herzen gesehnt habe.

 

Wenn die Aufmerksamkeit in viele Richtungen geht, dann fließt die Energie in alle Richtungen, aber nicht nach innen. Selbst das morgendliche Meditieren war immer wieder von einer gewissen Unruhe begleitet …

 

 

Ein Blick auf unsere Zeit

 

Noch nie in der Menschheitsgeschichte waren wir täglich mit einer solchen Fülle an Informationen konfrontiert wie heute. Die Zahl unserer digitalen Kontakte, E-Mails, Social-Media-Inhalte, Nachrichten, Bilder, Videos, Podcasts, globalen Krisenmeldungen und Reize hat in den letzten Jahren exponentiell zugenommen.

 

Während unser Nervensystem und unser Gehirn Langsamkeit, Wiederholung und direkte Erfahrung lieben, leben wir heute in einer Welt permanenter Reiz- und Informationszufuhr. Unsere neuronalen Netzwerke werden fortlaufend aktiviert und unsere Aufmerksamkeit kontinuierlich gebunden, während Räume für Integration, Verarbeitung und Regeneration immer seltener werden. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten "Information Overload" – einem Zustand, in dem die Menge an Informationen unsere natürliche Verarbeitungskapazität übersteigt. Dadurch fällt es uns oft schwerer, bei uns selbst zu bleiben, und wir entfernen uns mehr und mehr von der Ruhe, nach der wir uns eigentlich sehnen.

 

So ist die durchschnittliche Zahl digitaler Interaktionen pro Mensch von etwa 298 pro Tag im Jahr 2010 auf rund 4.900 pro Tag im Jahr 2025 gestiegen. Das entspricht einer nahezu sechzehnfachen Zunahme unserer digitalen Berührungspunkte im Alltag. Hinzu kommt, dass Menschen weltweit heute durchschnittlich etwa 6 Stunden und 38 Minuten pro Tag online verbringen – zusätzlich zu vielen weiteren Reizen und Informationsquellen außerhalb der digitalen Welt.

 

*Quellen

IDC / Seagate, *Data Age 2025* (4.900 digitale Interaktionen pro Tag bis 2025) Keywords Everywhere, Zusammenfassung der IDC-Daten (298 Interaktionen 2010 → 4.909 Interaktionen 2025)


Wie der bekannte Zen-Meister Shunryu Suzuki sagte: „If you have time to meditate for one hour every day – unless you're too busy. Then you should sit for two hours!“

 

Ich glaube nicht, dass wir zwei Stunden meditieren müssen, um unsere Mitte oder den inneren Ruhepol in unserem Leben zu finden. Aber was er damit ausdrücken wollte – und was die Essenz dieser Aussage ist – lautet: Gerade dann, wenn wir glauben, keine Zeit für Stille zu haben, brauchen wir sie oft am meisten.

 

Vor zwei Monaten habe ich mich bewusst entschieden, mich der Stille wieder mehr hinzugeben. Dabei konnte ich feststellen, wie ungewohnt sich etwas anfühlen kann, das früher – vor Corona – ganz natürlich für mich war. Ich habe damals fast ausschließlich in Stille gelebt.

 

Stille macht vielen Menschen Angst, und ich kann verstehen, warum. In der Stille begegnen wir uns selbst wieder in unserer ursprünglichsten Form – mit allem, was da ist. Sie ist wie ein Spiegel, wie ein ruhiger See, in dem sich all das zeigt, was sonst verdeckt, übergangen oder gedeckelt wird.

 

Viele meiner Klienten erzählen, dass sie „unruhig“ werden, wenn es ruhig wird, wenn Ruhe einkehrt. Selbst beim Spazieren im Wald … das, was nähren kann, wird zu einer gefühlten Bedrohung, und wenn wir uns das genauer anschauen, dann macht das auch Sinn:

 

Ein traumatisiertes Nervensystem und die neuronalen Abdrücke von Alarm- und Antriebssystemen halten ganze Generationen – und gerade in unserer heutigen Zeit ganz besonders – auf dem neuronalen Gaspedal. Wenn ich in meinen MBCL-Kursen in der ersten Sitzung dazu eingeladen habe, die drei Kreise der Regulationssysteme in unserem Gehirn nach Paul Gilbert einzuzeichnen, dann waren meist Alarm- und Antriebssystem sehr groß, während das sanfte Beruhigungssystem nur schwach ausgeprägt war.

 

Was sagt uns das?

 

Das System, in dem wir leben, ist sympathikusaktivierend. Unser System wurde darauf trainiert, zu reagieren, zu leisten und wachsam zu sein. Vielleicht erklärt das, warum viele Menschen Ruhe zwar suchen, sie aber kaum aushalten können. Wir haben uns so sehr an eine Kultur der Dauerstimulation gewöhnt, dass Stille für viele ungewohnt geworden ist. Der Weg in die Stille fühlt sich deshalb zunächst oft fremd an – und bedrohlich.

 

Wenn Alarm- und Antriebssystem dauerhaft aktiv sind, kann Stille zunächst unbequem wirken – obwohl genau dort oft die Regeneration beginnt. Die innere Unruhe, die dann auftaucht, ist oft kein Zeichen dafür, dass Stille nicht gut für uns ist. Sie kann vielmehr ein Hinweis darauf sein, dass uns etwas Natürliches abhandengekommen ist, und ein Signal dafür, was wir wirklich brauchen.

 

Wenn wir jede Lücke sofort mit Scrollen, Nachrichten, Podcasts oder anderen Reizen füllen, fehlen die natürlichen Momente des mentalen Leerlaufs, die früher ganz selbstverständlich Teil des Alltags waren.

 

Umso wichtiger ist es, dir von Zeit zu Zeit diese Fragen zu stellen:

Durch welche Brille schaue ich gerade auf mich?

Wo ist mein Anteil, der der Stille ausweicht?

Und wo wirkt ein System auf mich ein, das meine Aufmerksamkeit permanent von mir wegzieht?

 

Wir bringen unsere Geschichte, unsere Prägungen und unsere Schutzstrategien mit. Gleichzeitig leben wir in einer Kultur, die genau diese Muster oft noch verstärkt und unsere Aufmerksamkeit bindet.

 

Im besten Falle schaue ich aus dem Fürsorgesystem auf die Anteile, die mich kontinuierlich beschäftigt halten – und warum sie mich beschäftigt halten.

 

Wir brauchen unser Mitgefühl und unsere Fürsorge statt Selbstkritik.

 

 

Closing und Opening – Ein Bild, das mir geholfen hat

 

Mir hat in den letzten Wochen dieses Bild geholfen, und vielleicht hilft es auch dir.

Es ist ein wunderschönes Bild für Bewusstheit und Achtsamkeit.

 

Es geht nicht darum, nie abgelenkt zu werden. Sondern zu bemerken, wenn du ein Fenster öffnest, das deine Energie herauszieht – und die Freiheit zu haben, dieses Fenster wieder zu schließen.

 

Vielleicht ist das Innere gar nicht erschöpft, weil wir zu wenig Energie haben, sondern weil einfach zu viele Fenster offen sind, durch die unsere Energie abfließt. Wir wollen oft alles auf einmal und von allem zu viel.

 

Wir öffnen ein Fenster.

Dann noch eines. Und noch eines.

Eine Nachricht.

Eine E-Mail.

Instagram.

Ein Gedanke.

Eine Sorge.

Die Aufgabe.

Der Haushalt.

 

Und irgendwann bemerken wir gar nicht mehr, dass unsere Aufmerksamkeit in zehn verschiedene Richtungen fließt.

 

Bewusstheit und Achtsamkeit im Zweierpack können uns dabei helfen, immer wieder zu bemerken:

 

„Welches Fenster habe ich gerade geöffnet?“

„Dient es mir? Oder zieht es mich aus dem Kontakt mit mir und dem Moment heraus?“

 

Wem dient es?

 

Ist dein Gefäß übervoll? Oder ist es ein *leaky container* – ein undichtes Gefäß, weil deine Aufmerksamkeit und damit deine Energie ständig durch kleine Öffnungen abfließt?

 

Warum Stille heute wichtiger denn je ist – Von innen nach außen

 

Je mehr ich die Stille genährt habe und mich – mal wieder mutig – von Anspruchs- und Erwartungsgedanken der Außenwelt verabschiedet habe, wie z. B. verfügbar sein, produzieren, kreativ sein, das Business am Laufen halten usw., desto mehr habe ich gemerkt, wie wenig Lust ich dazu habe und dass der Körper sich einfach nach Ruhe sehnt – und nicht nur der Körper und das Nervensystem, auch der Geist.

 

Die Stimme der Seele wird leiser, wenn die Welt lauter wird und wir uns darin verlieren.

 

Als ich mich wieder bewusst für die Stille entschieden habe, habe ich nur noch Stille gebraucht. Kein Tun mehr, kein Denken, kein Produzieren. Ich hatte schon vergessen, wie gut sich das anfühlt. Nährend. Allumfassend.

 

Stille nährt mich, stillt mein Bedürfnis nach tiefer Anbindung, nach Sinn, nach dem Mich-gesättigt-Fühlen am Leben, ohne dem etwas hinzuzufügen, und dann beginnt die Quelle zu sprudeln … wie von selbst. Das Schöne ist: Wir haben eine intrinsische Motivation nach Kreation, und auch diese Qualitäten öffnen sich in Muße und Stille.

 

In der Stille finde ich mich selbst.

 

Ich glaube, dass dieser "state of mind and heart" altersunabhängig ist und dass wir alle eingeladen sind, mehr Ruhe einzuladen, Regenerationsprozesse in dieser schnellen und oft so entrückten Welt zuzulassen …

 

Die Suche, die wir so oft nach außen lenken, will nach innen gelenkt werden, wo die Antworten aus der Stille heraus – aus dem inneren Feld – kommen, wenn wir aufhören, jedem Impuls zu folgen, der unsere Aufmerksamkeit und damit auch Energie entziehen möchte.

 

Das heilige Gold unseres wahren Selbst wartet in vielen wichtigen Momenten unseres Lebens, wenn wir die Schwelle der Angst in das Unbekannte übertreten.

 

Der göttliche Funke ist immer da … er leuchtet unentwegt, und das Große Bewusstsein ruft nach dem Tropfen im Ozean. Aber das kleine funktionierende Selbst hustelt in Angst von einem Punkt zum nächsten, genährt aus dem Mangel, dem Blick im Außen, weil es sich getrennt von der Quelle fühlt.

 

Die Seele ist in uns und so ist Gott auch, und wenn es nicht so schwer wäre, wäre es leichter, aber das ist für den Menschen so nicht geplant gewesen. Also braucht es gewisse „Bedingungen“, um das heiß ersehnte „Goldene Land“ zu erreichen.

 

Die Fragen, die du dir stellen könntest:

Wem oder was gibst du deine Energie und Aufmerksamkeit?

Und was geschieht mit dir, wenn du aufhörst, dem Außen hinterherzulaufen?

Wonach suchst du?

Was macht dir Angst, wenn es still wird?

Was macht dir Angst, wenn du dir begegnest? Was kommt dann hoch?

 

Was ist, wenn ich dir sagen würde, dass, wenn du über diese Brücke gehst und die Schwelle des Unbekannten mutig durchschreitest und diese Stille für deine Seele kultivierst, du mehr und mehr eine leise Stimme hören wirst, die nach dir ruft und dir etwas geben will, was dich im Außen nie wirklich zufrieden oder erfüllt machen kann?

 

Was wäre, wenn du über diese kleine Brücke gehen würdest und auf der anderen Seite mehr von dir finden würdest? Was, wenn auf der anderen Seite dein wahres Ich auf dich wartet, das unabhängig ist von den äußeren Impulsen, das, was dich wirklich nährt …

 

Wenn wir uns in die Stille einstimmen, dann entsteht ein innerer Dialog zwischen dem Selbst und der eigenen Seele.

 

Und der Neuroplastizität und dem Bewusstsein sei Dank. Evolution und Transformation sind das Ergebnis einer alchemistischen Wandlung, die von innen kommt – vom kleinen, funktionierenden Selbst hin zu einem durchlässigen, transpersonalen Selbst, das bereit ist zu kooperieren.

 

Und hier ein paar sanfte Impulse für den Alltag, die dir helfen können, der Stille wieder Raum zu geben und dir näherzukommen:

 

Pema Chödrön verwendet ein einfaches Mantra: Pause & Stay. Anhalten. Innehalten. Sich selbst begegnen.

 

Der Anteil, der sich immer wieder den Ablenkungen hingibt, möchte nicht bekämpft, sondern verstanden werden.

 

Schlaf ist nicht verhandelbar.

 

Tiefe Regeneration beginnt oft viel einfacher, als wir denken. Heilige Pausen. Nichtstun. Tagträumen. Aus dem Fenster schauen. Ein Nickerchen am Sonntagnachmittag.

 

Relaxation is the entrance to divinity.

 

Mehr Stille im Außen.

 

Wann bist du das letzte Mal ohne Handy spazieren gegangen?

Wann hast du das letzte Mal Schönheit um dich herum wahrgenommen?

Wann hast du das letzte Mal unstrukturierte Zeit oder Langeweile zugelassen?

 

Mehr Stille im Innen.

 

Worte können Lärm sein.

Gedanken können Lärm sein.

Bewertungen, Analysen, Kommentare, Pläne und innere Dialoge können Lärm sein.

 

Stille wird dann nicht nur zur Abwesenheit äußerer Geräusche, sondern zu einem Raum jenseits davon.

 

Welche Stille brauchst du?

Welche Ruhe- und Stilleinseln nähren dich?

Und wie könntest du ihnen in deinem Leben wieder etwas mehr Raum geben?

 

Stille als eine bewusste Entscheidung – Widerstand gegen eine Kultur der Zerstreuung

 

Unsere Freiheit beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, jedem Impuls zu folgen, der unsere Aufmerksamkeit und Energie entziehen möchte.

 

Es geht um Stille als Lebensraum. Und es geht um Erinnerung. Dass unter all dem Lärm etwas in uns wartet. Nicht etwas Neues. Sondern etwas, das schon immer da war.

 

Wenn wir diese Ruhe- und Stille-Inseln kultivieren, dann öffnet sich die Brücke zur Stille. Nicht als Rückzug von der Welt. Sondern als Rückkehr zu einem Ort in uns, von dem aus wir der Welt wieder begegnen können.

 

Achte darauf, was du verehrst. Was ist dein heiliger Gral?

 

Verschiebe dein Leben nicht – mitten in all dieser Magie.

 

Deine innewohnende Göttlichkeit, das Heilige in dir, dein inneres Licht tragen dich bereits.

 

Das ist der Weg der Ganzheit.

 

Stille heilt.

Sabina

 

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