Die heilige Konstante – oder wie dich achtsames Selbstmitgefühl verwandelt

 

Nach all den Jahren des persönlichen wie spirituellen Wachstums, gibt es eine Konstante, die ich immer wieder erlebe und erfahre: Leben ist dynamisch und wo Leben ist, da sind auch Konflikt-, Angst-, Schmerz- und Verlusterfahrungen. Gleich wie sehr du innerlich gewachsen bist, alten Ängsten und Dämonen begegnet bist, gleich wieviel und wie sehr du an deinen Kindheitserfahrungen bereits gearbeitet und seelische Wunden aufgearbeitet hast, egal welche Heiler und Gurus du aufgesucht und Methoden ausprobiert hast, da gibt es diese eine heilige Konstante und das ist die menschliche Verletzlichkeit. Körperlich, seelisch und emotional. Hast du gewusst, dass bei emotionalem Schmerz die gleichen Netzwerke in deinem Gehirn aktiv werden, wie beim körperlichen Schmerz?

 

Auch wenn wir auf der Sub-Ebene einfach nur pure Liebe sind und Schmerz oder Verlust usw. eine Illusion des Egos sind, dennoch ist auch die menschliche Erfahrung pur und sie ist geprägt durch das Spiel der Polarität von Schmerz und Freude oder wie Buddha sagte von den 10.000 Sorgen und Freuden des Menschen.


Wir sind Seelen, spirituelle Essenzen, die zutiefst menschliche UND göttliche Erfahrungen machen.

 

Nach all den Jahren der mystischen Gipfelerfahrungen durchtrunken von unermesslichen Kraft, Schönheit und Magie des Göttlichen, die sich mir immer wieder offenbart, wenn ich in den Strom der allumfassenden Liebe eintauche, nach all diesen Erfahrung sehe und fühle ich meine eigene Zerbrechlichkeit, meine unfassbare Größe, meine Schwäche, meine Stärke, mein ewiges Sein, mein Leben, das Alltägliche wie das Nichtalltägliche in einem unendlichen Strom des Lebens und der Ewigkeit zusammenfließen. Wir sind Seelen, spirituelle Essenzen, die zutiefst menschliche UND göttliche Erfahrungen machen. Auf unserer Suche nach Heimat, nach Einheit, die am anfang häufig eine unbewusste Suche ist nach unserem Ursprung mit dem All-Seiendem, nach Gott, bekommen wir den Einblick in das Absolute und werden schneller als uns lieb ist auch wieder rausgeworfen auf den Boden der nackten Tatsachen. Wir leben hier auf der Erde. Hier findet unser Leben statt. Hier ist unser Lebensort.

 

Erleuchtung ist auch ein dynamischer Prozess.

 

Spirituelle Idealisierung vom Absoluten und Erleuchtung ist der Anfang aller Erkenntnisse und ist höchst verführerisch für das Ego. Erleuchtung ist etwas, was immer wieder geschieht, immer wieder aufs neue. Auch dieser Prozess ist dynamisch. Wir bewegen uns im Raum des Bewusstseins, als materialisiertes Bewusstsein, um Gott und damit Liebe in der pursten Essenz zu erfahren. Wir bewegen uns in den Polaritäten des Lebens, der Schöpfung und es braucht hingebungsvolle Tiefen-Arbeit und Einsichts-Praxis, es braucht Selbsterkenntnis, um zu verstehen, was dich von der Liebe abhält, wo dein Widerstand und die Verweigerung ist, dich dem Liebes- und Lebensfluss anzuvertrauen. Diese symptomatische, ja schon fast pathologische Liebesabwehr in dieser Welt, hat ihre Wurzeln in individuellen und kollektiven Ursprungserfahrungen. Sie beruht im kollektiven Glauben und auf der Idee aber auch auf den Erfahrungen des Bewusstseins einer Spaltung.


Dein Mind ist so tricky, dass du im Moment der höchsten Erkenntnis und Einheit eingeholt werden kannst mit einer alten Denkweise, einer so starken Identifikation mit deinem persönlichen Ich, einer Überzeugung, die dich von deinem wahren Selbst entfernt und gar nichts Göttliches an sich hat. Bewertung, Aufwertung und Entwertung ist das Spielfeld des Verstandes, bis wir es nicht bis in die Tiefen durchleuchten und immer wieder achtsam wahrnehmen und erkennen, dass es sich eben nur um formlose Gedanken handelt. Das reine Bewusstsein, das absolute Gewahrsein, die Super-Position, der Raum aller Möglichkeiten ist wertfrei, unvermittelt, mit allem verschmelzend und ist nur einen Gedanken, eine Entscheidung entfernt. Es ist eine Veränderung/Verschiebung in deiner Wahrnehmung, die alles für dich verändert, wenn du dir erlaubst, deine abgespaltene, trennende Ego-Perspektive zugunsten einer höheren Wahrheit einzutauschen.

 

Wir sind die Ausdehnung der heiligen Quelle und wir können dies nur fühlen und erleben, wenn wir den Widerstand im Kopf, bzw. das Denken heilen und unser Herz mit Liebe berühren. Nur so erkennt sich der Liebende in sich selbst und damit Gott in sich. Es ist ganz einfach und doch augenscheinlich so schwierig und komplex im Angesicht all der Dramen des Einzelnen und der Welt.

 

Was hat die Kraft, dich in Liebe zu verwandeln und dich mit der Quelle zu verbinden?

 

Was hat die Kraft, dich sanft an deine innere Heimat und deinen Ursprung der Liebe zu erinnern? Es ist die Kraft des achtsamen Selbstmitgefühls. Was dich verändert ist eine konstante, freundlich-zugewandte Haltung der Einsicht, des Verstehens, des Annehmens und diese Kraft liegt in der liebenden Güte dir selbst gegenüber. Diese Haltung ist uns angeboren. Unser Mitgefühl ist so natürlich, wie die Nase, die wir im Gesicht tragen (dieses herrliche Gleichnis habe ich bei Jason Shulman gelesen) und je häufiger du das achtsame Selbstmitgefühl praktizierst, umso mehr kultivierst du eine Haltung der radikalen Akzeptanz, die auch das Fürsorgesystem in einem entsprechenden Areal in deinem Gehirn neuronal verschaltet und deine Selbstliebe erblühen lässt. Du erlaubst dir, den Tyrannen im Kopf und das verängstige, verschlossene Herz mit freundlichen Worten der Zuversicht und des Mitgefühls zu berühren.

 

Das achtsame Selbstmitgefühl überwindet das alte Muster des Egos, Liebe abzuwehren, genau dann wenn du es am meisten brauchst.

 

Das achtsame Selbstmitgefühl holt dich in der Liebe ab, es holt dich im Schmerz ab, es holt dich auch dann ab, wenn du mitgefühlsmüde bist, es erlaubt dir, dir aufrichtig zuzuhören, dich zu fühlen und deine Mauern abzulegen und hinter deine Masken zu schauen. Du überwindest das Muster des Egos , dass allergisch auf Liebe ist. Aus der zärtlichen Hinwendung zu dir selbst, aus der Achtung vor dem Unveränderlichen, dem Schattigen, dem Unmöglichen, dem Ungewollten, dem Abgelehnten, entsteht eine Haltung, die dich und das Leben umarmt. Ganz. Und wenn du dich mit dir selbst geistig und seelisch vereinst, dann berührst du dein ewiges Selbst. Du umarmst Gott in dir, empfängst Gott in dir und umarmst dich und dein Leben in deiner Buddha Natur. Die Schleier der Illusionen schmelzen durch die stetige Hinwendung deines Selbstmitgefühls, deiner Liebe zu dir selbst, und diese Liebe verwandelt dich, weil sie bedingungslos ist und du in der Bedinungslosigkeit Gott und allem Göttlichen in dir am nächsten bist.

 

Photo by Casey Horner on Unsplash

Kommentar schreiben

Kommentare: 0